Afrikanische Schweinepest: Gefahr ernst nehmen

Risiko mit verschiedenen Maßnahmen senken

Die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aus Osteuropa schreitet immer weiter voran. Längst sind auch deutsche Schweinehalter in Alarmbereitschaft. Gezielte Präventionsmaßnahmen sind nötig, um die Ausbreitung des Erregers zu verhindern. Dabei sind Schweinehalter und Jäger besonders gefragt. Dr. Svenja Sudeick, Tierärztin bei der AGRAVIS Raiffeisen AG, und Dieter Jürgens, Desintec-Produktmanager, erläutern, worauf es ankommt.

Dr. Svenja Sudeick ist Tierärztin bei der AGRAVIS Raiffeisen AG.

Deutschland und die Afrikanische Schweinepest. Wie schätzen Sie die Situation für die Landwirte ein?

Dr. Sudeick: Die Situation ist durchaus ernst. Bei der ASP handelt es sich um eine Viruserkrankung, an der Wild- und Hausschweine erkranken. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich. Die Krankheit verläuft für die meisten infizierten Tiere tödlich. Eine Impfung gibt es nicht. Ein Ausbruch der ASP in Deutschland würde neben den Folgen für die Tiere auch schwerwiegende wirtschaftliche Auswirkungen für die Landwirte mit sich bringen. Vor allem der Eintrag in die Wildschweinepopulation birgt große Risiken. Eine wirkungsvolle Tierseuchenbekämpfung ist in den Wildbeständen häufig nur unter erschwerten Umständen durchzuführen. Hinzu kommt, dass das ASP-Virus unter Umständen für zirka sechs Monate in der Umwelt infektiös bleiben kann. Für schweinehaltende Betriebe, die in einem Gebiet liegen, in dem Wildschweine erkrankt sind, sind unter anderem Maßnahmen für den Transport von Schweinen (wie Transportverbote) zu erwarten.


Wie wird ASP übertragen?

Dr. Sudeick: Die ASP kann sowohl direkt von Tier zu Tier als auch indirekt über Vektoren, wie zum Beispiel infiziertes Blut oder kontaminierte Schweinefleischerzeugnisse übertragen werden. Ein hohes Risiko für die Einschleppung nach Deutschland geht derzeit vom Personen- und Transportverkehr aus. So kann ein unachtsam entsorgtes mit ASP-Virus kontaminiertes Wurstbrötchen schnell zum Überträger werden. Wildschweine, die den Müll durchforsten und infiziertes Material aufnehmen, können erkranken und weitere Artgenossen anstecken. Auf das Mitbringen von Schweinefleischerzeugnissen aus den bisher betroffenen Ländern sollte deshalb verzichtet werden. Durch den gezielten Informationsaustausch, die Sensibilisierung für das Thema und entsprechende Präventionsmaßnahmen kann jeder mithelfen, das Risiko der Einschleppung zu minimieren. Auf schweinehaltenden Betrieben hat die Biosicherheit oberste Priorität.

Dieter Jürgens ist Produktmanager Tierhygiene bei der VitaVis GmbH.

Welche Empfehlungen geben Sie Schweinehaltern, um Prävention zu betreiben?

Jürgens: Um einen Eintrag in unsere Hausschweinebestände zu verhindern, ist im Prinzip auf eine konsequente Umsetzung der Schweinehaltungs-Hygieneverordnung mit allen erforderlichen Biosecurity-Maßnahmen zu achten. Um eine Eintragung in den Betrieb zu verhindern, ist der Hof – wie das CCM-Futterlager – vor Kontakt mit Wildschweinen zu schützen. Es sollte nur bekannten Personen (wichtig: im Besucherbuch dokumentieren) in betriebseigener Schutzkleidung der Zutritt in Stallungen gewährt werden, eine Vektorenbekämpfung (Schadnager und Insekten) sollte durchgeführt werden und Verladerampen sind nach jedem Transport von Schweinen zu reinigen und zu desinfizieren. Um einen Eintrag direkt in die Stallungen zu vermeiden, ist das Aufstellen von Fußdesinfektionswannen wichtig. Wir empfehlen für diesen Einsatz unsere Produkte Virkon S und Desintec Fl-des GA forte. Beide Produkte sind DVG-geprüft und zeigen eine hervorragende Wirkung gegen Viren.


Welche besonderen Schwachstellen sind auf einigen landwirtschaftlichen Schweinebetrieben noch vorhanden und verbesserungswürdig?

Jürgens: Auf vielen Betrieben ist der generelle Fahrzeugverkehr nicht richtig organisiert bzw. durchdacht. Häufig müssen Tierkadaverfahrzeuge immer noch das Hofzentrum befahren. Das Risiko einer Erregereintragung wird dadurch deutlich erhöht. Idealerweise sollten sich diese Stellen so weit wie möglich vom Stallgebäude entfernt befinden. Eine Bereitstellung von eigenen Futtersiloschläuchen oder die Befüllung der Futtersilos außerhalb des Hofraumes hilft ebenfalls, das Risiko zu senken. Weiter lassen einige Schweinehalter immer noch unachtsam fremde Personen auf ihre Betriebe. Hierzu gehört auch die Einrichtung von Schwarz-Weiß-Bereichen mit geeigneten Händewasch- und Desinfektionsmöglichkeiten.

Weitere Informationen gibt es bei Dr. Svenja Sudeick, Telefon 0251. 682- 2426, svenja.sudeick@agravis.de, und Dieter Jürgens, Telefon 0251. 682-1144, dieter.juergens@agravis.de


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