Rechtliche Änderungen bei Schadnagerprodukten

Mehr Klarheit für den Anwender

In den vergangenen Monaten hat es im Bereich der Schadnagerprodukte (Rodentizide) einige Unsicherheiten bzw. Unklarheiten bezüglich des Vertriebes und Einsatzes gegeben. Die nun bekannten neuen Regelungen im Bereich der Gefahrstoffverordnung und der Wiederzulassung von Rodentiziden im Bereich der Biozid-Gesetzgebung bringen mehr Klarheit für Handel und Anwender.


Neue Beurteilung der Wirkstoffe

Im Bereich der Gefahrstoffverordnung werden die Wirkstoffe anhand von wichtigen Erkenntnissen seit dem 1. März 2018 neu beurteilt. Alle Produkte mit einer Konzentration von größer oder gleich 0,003 Prozent (30 ppm) eines blutgerinnungshemmenden Wirkstoffes sind als reproduktionstoxisch einzustufen. Betroffene Produkte dürfen nur noch an sachkundige Verwender, beispielsweise Schädlingsbekämpfer oder geschulte berufsmäßige Verwender, wie Landwirte mit Pflanzenschutzanwenderschein nach PflSchSachkV verkauft werden. Verwender mit besonderen Sachkenntnissen, die durch ein Zertifikat die Teilnahme an einer Schulung nachweisen können, sind ebenfalls berechtigt, die Produkte zu kaufen. Aufgrund eines Selbstbedienungsverbots sind die Produkte nicht mehr im Regal, sondern im Pflanzenschutzraum der Genossenschaft zu finden.

Diese Regelung gilt für folgende Produkte im Desintec-Sortiment mit gleich oder mehr als 30 ppm Wirkstoff:

Die folgenden Produkte enthalten nur 25 ppm Difethialone und sind nicht betroffen von der neuen Einstufung:

Neben den allgemeinen Risikominderungsmaßnahmen und Anwenderbestimmungen für die einzelnen Produkte ergeben sich weitere Bekämpfungsmethoden (Pulsbeköderung und Permanentbeköderung):

Pulsbeköderung

Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Bekämpfung, bei der Köder im Überschuss ausgelegt werden, beruht das Prinzip der Pulsbeköderung darauf, nur geringe Mengen des Köders pro Köderstelle, etwa 50 Gramm, auszulegen. Bei der Pulsbeköderung sind Fraßköder mit den Wirkstoffen Brodifacoum, Difethialone und Flocoumafen anzuwenden, die für Ratten und Mäuse in der Regel bereits bei einmaliger Aufnahme tödlich sind. Durch die gezielte Köderverknappung soll die Attraktivität des Köders gesteigert und gleichzeitig die Aufnahme einer über die tödliche Dosis hinausgehende Menge des Produktes durch die Zieltiere und damit eine erhöhte Gefahr von Sekundärvergiftungen von Nichtzieltieren vermieden werden. Nach Abschluss der Beköderung sind alle Köder zu entfernen, um Primärvergiftungen vorzubeugen.

Permanentbeköderung

Zur befallsunabhängigen Dauerbeköderung, der Permanentbeköderung, dürfen nur Produkte mit den Wirkstoffen Difenacoum oder Bromadiolon eingesetzt werden. Produkte mit anderen Wirkstoffen dürfen nicht als permanente Köder zur Vorbeugung von Nagetierbefällen oder zur Überwachung von Nagetieraktivität verwendet werden. Ob eine befallsunabhängige Dauerbeköderung fachlich notwendig ist, kann nur ein Schädlingsbekämpfungs-Fachbetrieb prüfen und beurteilen.

Mehr Informationen erhalten Sie bei Ihrer Genossenschaft vor Ort oder bei Dieter Jürgens, Telefon 0251 . 682-1144, dieter.juergens@agravis.de.


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